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Folklore auf Mallorca, Teil I

Musiker Mallorca
Volkstümliche Musiker auf Mallorca; CC0


Das Bild vom deutschen Touristen, der am Ballermann aus Eimern Sangria trinkt, gehörte fast schon zur Folklore Mallorcas. Doch Tourismusindustrie und Politiker der Insel besannen sich noch rechtzeitig auf die eigenen Traditionen und begannen, in die Pflege des Brauchtums viel Geld zu stecken. So kommt es, dass mallorquinische Folklore jedes Jahr ein bisschen präsenter ist und das Bild vom saufenden Urlauber im Bewusstsein der Insel langsam verblasst.

Viele Ortschaften Mallorcas haben ihre eigene Folklore als Handwerkstradition: In Consell werden seit Jahrhunderten Messer hergestellt, in Porreres Leinenschuhe mit Hanfsohle, die typischen Körbe und Besen aus Palmfasern stammen aus Capdepera. Andere Bräuche und Gewohnheiten werden auf der gesamten Insel gepflegt:



Traditionelle Tänze und Musik

Ball de Bot, Hüpftanz, fehlt auf keinem Dorffest auf Mallorca. Auf dem Land beherrscht auch die junge Generation noch die alten Schritte und vollführt an den richtigen Stellen die kleinen, charakteristischen Hüpfer. Das kann fast schon elegant aussehen, in jedem Fall aber haben die Tänzer viel Spaß. Früher war der Tanz ein Paartanz, weil aber heute oftmals die Männer fehlen, wird er im Kreis getanzt. In Trachten wird nur im Ausnahmefall getanzt, geläufiger ist normale Straßenkleidung.

Die typischen Instrumente sind guitarrons und flabiols, kleinen Gitarren und Flöten. Fünf, sechs Bands, die sich auf die Tanzmusik spezialisiert haben, dominieren die Szene. Die Fans folgen ihrer jeweiligen Lieblingsband von einem Fest zum anderen.

Der ball dels Cossiers, der Tanz der Cossiers, lädt zum Zuschauen ein. In Algaida und Montuïri wird er seit Jahrhunderten gepflegt, in Manacor, Alaró, Pollença und Palma hat man ihn erst kürzlich wieder zum Leben erweckt.
Die Cossiers sind drei männliche Paare und eine Dame in Weiß. Eine Teufelsgestalt versucht, den schwungvollen Tanz zu stören. Apropro Teufel: Auf vielen Festen Mallorcas erscheinen plötzlich kleine dimonís. Warum, erklärt Felip Munar, mallorquinischer Volkskundler: “In einem Volkslied Mallorcas heisst es: `Der Teufel hat eine Mutter, die ihn rügt, weil er etwas ausgefressen hat.´Das zeigt, dass der Teufel bei uns nur das menschlich Schlechte verkörpert; er gehört zur Familie und deswegen darf er auch nicht fehlen, wenn die Familie feiert.”

Die Cossiers werden von traditionellen Musikinstrumenten begleitet: von flabiol, Flöte, xeremie, Dudelsack und tamborin, kleiner Trommel. In Mallorcas Geschichtsschreibung wurden die Cossiers schon im 16. Jahrhundert erwähnt; woher der Name stammt, ist nicht geklärt. In Algaida kann man die Cossiers an bestimmten Tagen bestaunen: am 16. Januar beim Fest von Sant Honorat, sowie am 24. und 25. Juli an Sant Jaume.



Märchen

Les Rondalles mallorquines, die mallorquinischen Märchen, erinnern an Schneewittchen und Aschenputtel, spielen aber auf Mallorca. Jahrhundertelang wurden sie mündlich überliefert, bis Mossèn Alcover, bedeutender mallorquinischer Geistlicher und Schriftsteller des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sie schließlich aufschrieb und veröffentlichte, unter dem Pseudonym Jean d`es Reco.

Viele Märchen spiegeln die Züge zeitgenössischer Persönlichkeiten Alcovers wider- die Spurensuche mallorquinischer Wissenschaftler füllt ganze Bücherregale. Die eigentliche Zielgruppe, Mallorcas Kinder, kennen die Disney-Version von Schneewittchen vermutlich besser als die Insel-Variante, doch die Großeltern erzählen immer noch rondalles und viele öffentliche Lesungen halten die Inselmärchen lebendig.

Marienlegenden

Jede Marienfigur hat angeblich ein Wunder vollbracht und gibt Hoffnung auf weitere, wenn sie zu einem Kloster Mallorcas gehört. Die Marienfigur vom Kloster Lluc, dem religiösen Zentrumder Insel in der Serra Tramuntana, darf gleich 86 Wunder für sich beanspruchen. Zwei davon erzählen sich die Mallorquiner auch heute noch häufig und gern.

Wunder Nummer eins: Um das Jahr 1250 sollen eine Hirte und ein Mönch ein Marienbildnis gefunden haben. Sie brachten es in das Pfarrhaus Sant Pere d`Escorca. Am nächsten Tag war das Bildnis verschwunden und tauchte am ursprünglichen Fundort wieder auf. Der Vorgang wiederholte sich zweimal- bis man beschloss, genau an dem Fleck, zu dem das Bild auf wundersame Weise immer wieder gelangte, eine Kapelle zu bauen. Wo einst die kleine Kapelle stand, ragt heute das mächtige Kloster Lluc empor.

Als die andere Legende entstand, gab es das Kloster bereits: Auf dem Pilgerweg dorthin schubste ein Mann seine Frau den Abhang hinunter und setzte den Weg zum Kloster alleine fort. Oben angekommen wollte er Maria um Vergebung bitten, als er plötzlich seine Frau erblickte: Unversehrt hatte sie das Kloster als erste erreicht. Der Ort des verhinderten Verbrechens wurde unter dem Namen el salt de la bella dona, “der Sprung der schönen Frau”, verewigt.

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