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Die tibetoburmanische Gruppe - Teil 2

Die ebenfalls tibetoburmanische Gruppe der Naga lebt am oberen Lauf des Chindwin im Sagaing Bezirk, zum größten Teil aber jenseits der Grenze im indischen Nagaland. Auf beiden Seiten streben die Naga größere Autonomie an und sind als erbitterte Kämpfer für ihre Sache bekannt. Von Zeit zu Zeit erteilt die Regierung von Myanmar Ausländern die Erlaubnis, das Naga-Gebiet in Begleitung eines Führers, – insbesondere zum Naga-Fest im Januar – zu besuchen.
Die Karen, eine große und bedeutende tibetoburmanische Gruppe, setzen sich aus zahllosen Untergruppen und -grüppchen zusammen, von denen die Roten, Schwarzen und Weißen Karen wohl die bekanntesten sind. In der Literatur über die Karen werden manchmal die Eigennamen einzelner Stämme wie Sgaw, Kayin, Pku, Pwo, Bwe, Kayah oder Karenni angeführt. Das mag verwirrend sein, aber sie alle sind Karen, die eine außerordentlich komplexe und vielfältige Gruppe bilden. Obgleich beide, Burmanen und Karen, der tibetoburmanischen Sprachgruppe angehören, waren sie jahrhundertelang verfeindet. Manche Karen sind Buddhisten, aber viele sind Baptisten geworden: Heute bekämpfen sie sich untereinander, während das burmesische Militär Zug um Zug die Kontrolle über ihr Territorium gewinnt. Die 2,2 Millionen Karen stellen in Myanmar – nach den Burmanen und den Shan – die drittgrößte ethnische Gruppe dar. Sie verfügen über zwei der sieben Staaten, den südlich des Shan Staates gelegenen Kayah Staat mit der Hauptstadt Loikaw und den Kayin Staat mit der Hauptstadt Hpa-an. Beide haben eine gemeinsame Grenze mit Nordthailand, doch obwohl die Karen in dem Ruf stehen, begnadete Schmuggler zu sein, waren sie nie in den Drogenhandel verstrickt. Wegen anhaltender kriegerischer Unruhen sind der Kayah Staat ganz und der Kayin Staat mit Ausnahme des südlichen Teils für Touristen gesperrt – eine überaus bedauerliche Einschränkung, denn gerade der Kayah Staat mit dem wilden Thanlwin, den schönen Tälern und den malerischen Seen gilt weithin als eine der landschaftlich reizvollsten Gegenden von Myanmar.

Der Ursprung der Karen ist nicht belegt, aber es gibt eine hochinteressante Hypothese über ihre Herkunft. Man nimmt an, daß der Stamm in der nordchinesischen Provinz Gansu oder gar in der Mongolei beheimatet war. Die Stammesmythologie liefert Hinweise auf eine Überquerung des “River of Sand”, mit dem die Wüste Gobi gemeint sein könnte. Ein anderer Aspekt der Karen-Mythologie ist (oder war) ihr Glaube, eines Tages würde ein heiliger Mann erscheinen und ihr Volk retten. Dieser Glaube wird als Erklärung für die Bereitschaft der Karen herangezogen, sich ohne Zögern von amerikanischen Baptisten zum Christentum bekehren zu lassen. Es ist aber auch denkbar, daß die ursprünglichen Karen mit den Nestorianern in Berührung kamen oder gar Mitglieder dieser frühen christlichen Sekte waren. Der im Mittleren Osten entstandene Nestorianismus – hervorgegangen aus der Verurteilung des Nestorius und seiner Lehren durch das Konzil von Ephesus (431) und das Chalkedonische Konzil (451) – hatte sich in Asien und schließlich in verschiedenen Teilen Nordchinas (einschließlich der Provinz Gansu) verbreitet, wo er zwischen dem siebten und dem zehnten Jahrhundert seine Blütezeit erlebte.
Die Pa-O, eine von den Burmanen Taungthu genannte Untergruppe der Karen, siedeln in den Bergen rund um den Inle See und in dem Gebiet zwischen Taunggyi, der Hauptstadt des Shan Staats, und der Grenze zum Kayah Staat. Über ihre Ursprünge ist wenig bekannt, vermutlich stammen sie aus der Gegend um Thaton. Während der Kolonialzeit bewahrten sie eine Teilautonomie und wurden sowohl von den führenden Shan als auch von der burmesischen Armee verfolgt. Die Pa-O sind gläubige Buddhisten. Ihre wichtigsten religiösen Zentren in Kak Ku und Indein sind für Besucher wieder zugänglich, aber die burmesischen Archäologen wissen kaum etwas über diese beiden prachtvollen historischen Stätten. Im Zusammenhang mit meinem Besuch am Inle See werden ich noch darauf zurückkommen. Die Padaung, die hauptsächlich im Umkreis von Loikaw im Kayah Staat leben, bilden eine weitere Untergruppe der Karen.
Wegen ihrer ungewöhnlichen Art, sich zu schmücken, sind die Padaung-Frauen sicher die meist photographierte Minderheit in Burma. Als junge Mädchen beginnen sie, um den Hals geschmiedete Ringe zu tragen, denen Jahr für Jahr immer mehr Ringe hinzugefügt werden. Auf diese Weise kann der Hals bis zu einer Länge von fünfundzwanzig Zentimetern gestreckt werden.

 

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