Suche innerhalb von reisebuch.de

Premierminister U Nu Burma


U Nu, geboren 1907 und ebenfalls Burmane, stammt aus dem Gebiet des Ayeyarwady-Deltas. Auch er hat sein Studium an der Universität von Rangun absolviert, Zentrum des burmesischen Nationalismus in den späten Zwanziger- und den Dreißigerjahren.

Nationale Prominenz erlangte er als Präsident des Studentenverbands und Mitanführer eines Studentenstreiks. Nachdem er sich früh der We Burmans Association angeschlossen hatte, spielte er im Kampf um die Unabhängigkeit eine wichtige Rolle. Im Jahr 1940 wurde er von den Briten wegen Aufwiegelung inhaftiert und erst 1942, als seine Thakin-Kameraden bereits mit der japanischen Armee von Hainan zurückgekehrt waren, aus dem Gefängnis entlassen.
Nach der Ermordung Aung Sans im Juli 1947 übernahm U Nu die Führung der nationalistischen Bewegung, der AFPFL, und als Burma kurz darauf die Unabhängigkeit erlangte, wurde er der erste Ministerpräsident. In dieser Position diente er dem Land über zehn Jahre. U Nu, ein frommer Buddhist, war ein ehrbarer, gebildeter und hoch angesehener Mann, aber ihm fehlte das Charisma, das Aung San zum Nationalhelden gemacht hatte. Seine Regierung litt nicht nur unter den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, sondern auch unter den nicht enden wollenden innerparteilichen Streitigkeiten. Und es kamen viele andere Probleme hinzu, die ihm die Aufgabe erschwerten, das Land in eine Ära der Stabilität, des Friedens und der Prosperität zu führen: Die Invasion der Kuomintang-Chinesen im Nordosten Burmas, die Streiks und Aufstände der burmesischen Kommunisten, die Rebellion ethnischer Minderheiten und die Angriffe verschiedener War Lords und Opiumfürsten. All diese gravierenden Schwierigkeiten verschärften sich noch durch zunehmende wirtschaftliche Missstände und eine inkompetente Administration. Das Amt des Premierministers hatte U Nu vor eine kaum zu bewältigende Aufgabe gestellt.
Aufgrund interner Spaltungen innerhalb seiner eigenen Partei, immer neuer Streiks und immer neuer Unruhen verlor er schließlich die Regierungsfähigkeit und wurde 1958 gedrängt, General Ne Win mit der Bildung einer geschäftsführenden Militärregierung zu beauftragen. Obwohl U Nu bei den Parlamentswahlen von 1960 sein Amt zurückgewann, wurde er zwei Jahre später endgültig von Ne Win gestürzt, der ihn und fast alle anderen politischen Führer ins Gefängnis werfen ließ.

U Nu, ein geduldiger Vermittler, hat es geschafft, den Dialog mit den unzufriedenen ethnischen Minderheiten aufrechtzuerhalten, und es ist ihm zu danken, dass er eine Machtergreifung der burmesischen Kommunisten verhindert hat. Aber die mangelnde Kontrolle über das Militär und über seine eigene gespaltene Partei sollte sich am Ende politisch als fatal erweisen. In der buddhistischen Welt wurde er berühmt, weil er in der neu erbauten Weltfriedens-Pagode (Kaba Aye Paya) eine internationale buddhistische Konferenz einberief. Teilweise beruhte sein internationales Ansehen aber auch auf seinem starken Engagement für das Bündnis der Blockfreien Staaten, dem Burma sich anschloss.
In den verschiedensten Hauptstädten der Welt wurde U Nu mit hohen Ehren empfangen und galt als fähiger Diplomat, der in der Lage war, ein vorsichtiges Gleichgewicht zwischen Ost und West zu halten. Eine seiner größten Fehlentscheidungen bestand sicher darin, dass er den Buddhismus zur Staatsreligion erhob, was ihm den Zorn der christlichen Kachin, Karen und Chin einbrachte. Ein zweites politisches Versagen war seine Unfähigkeit, die Reform der unzulänglichen Verfassung von 1947 durchzuführen, die mehrere ethnische Minderheiten, unter anderen die Shan, verlangt hatten. Die Abspaltungsdrohungen einiger Minoritäten lieferten General Ne Win den Vorwand, U Nus Regierung zu stürzen.
Nach fünfjähriger Haft aus dem Gefängnis entlassen, übernahm U Nu 1967 die Leitung eines beratenden Gremiums, das Ne Win organisiert hatte. Da sich der General jedoch über den ehrlichen und kompetenten Rat dieses Gremiums hinwegsetzte, ging U Nu ins Exil, erst nach Thailand, dann in die USA und nach Indien. Von dort aus versuchte er ohne wirklichen Erfolg, eine Widerstandsbewegung aufzubauen. Auf Einladung von Ne Win und geschützt durch eine Amnestie kehrte U Nu 1980 nach Rangun zurück. Er hielt sich fern von der Politik und schloss sich eine Zeitlang der Bruderschaft der Mönche an. Während der großen Volkserhebung von 1988 trat er als einer der Oppositionsführer wieder in Erscheinung und machte die burmesische Bevölkerung mit der Tochter des Nationalhelden Aung San bekannt, die er bei ihren ersten Schritten auf die Bühne der Politik begleitete. Beide wurden bald unter Hausarrest gestellt, von dem 1992 nur U Nu wieder befreit wurde. Er starb drei Jahre später in Rangun.
U Nu wird oft als ein schwacher Führer gezeichnet, aber man muss bedenken, dass viele Faktoren, die in seiner Amtszeit entscheidenden Einfluss auf den Lauf der Dinge hatten, außerhalb seiner Kontrolle lagen. In gewissem Sinne war er eine tragische Figur der Nationalgeschichte, ein gebildeter und intelligenter Mann mit den besten Absichten, der alles versucht hat, was in seinen Kräften stand, die Macht aber am Ende an den Mann verlor, der die Gewehre kommandierte.