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"Die Nacht aus dem Meer ist eine Padaukblüte" von Zaw Zaw Aung

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Ich glaube, die Perle, die süß Lieder singt, hat gesagt, dass sie alles satt hat. Wir sind sehr vergnügt. Einzeln betrachtet, ist die eigentlich gar nicht hübsche Mi Mi Wa alles in allem mit millionenfachem Charme als Bildnis leuchtender Schönheit in den Strand von Maungmakan gemeißelt. Die Liebesgöttin Venus ist breithüftig und hat einen Schmerbauch. Das Lächeln der Mona Lisa ist seelenlos und ihre Brust viel zu flach. Die Schultern von Raquel Welch, die den schönsten Rücken der Welt haben soll, sind viel zu breit. Makel gibt es immer!

Die hellhäutige kleine Mi Mi Wa ist nicht nur akzeptabel, sondern sogar ein Mädchen, wie man es sich nur wünschen kann. Mit ihr zusammen zu sein ist ein wunderbares Glück, dem man sich nicht zu entziehen vermag. Manchmal erneuert sich der Duft aus einer alten Blüte. Ich habe schon mal gesagt, dass jene Liebe in allen Dingen ein Gedicht ist. Dass Mi Mi Wa ein reimloses Gedicht ist, erzählen ihre Fußabdrücke im feuchten Sand. Die öden Gedichte, starren Formen und Muster sind feierlich in das lodernde Feuer des Abschiedwinkens zu werfen. Der Vogel Phönix mit leuchtend rotem Gefieder und blutroten Augen wird aufspringen, fliegend die Welt drei Mal umrunden und segnen, glaube ich. Das mit Schande verpfuschte Dasein Mi Mi Was kann ich nicht bestreiten. Das weiß der Strand von Maungmakan. Das Mondlicht auf den Wedeln der Kokospalme weiß das. Der blaue Dunst, in dem sich Salz- und Fischgeruch mischen, weiß das. Die Wassertropfen, die vom Filter fallen, wissen das.

Ist Liebe Besitz, Rückzahlung, Erlangung, was ist es, Lüge? All das gilt nicht mehr, denke ich. Jemand hat gesagt, dass sie eine Übernahme von Verantwortung ist. Diese Worte sind ungefähr sechstausend Jahre alt. Dass meine Liebe die Verantwortung für die ganze Mi Mi Wa übernommen hatte, ist so seit dem ersten vom Salzwasser des Meeres durchtränkten Traum; dazu ist nichts weiter zu sagen. Ich habe Mi Mi Wa in das Sandelholzkästchen mit Blumenschnitzerei gelegt, trage es in meinem Kopf, in dem sich nichts befindet, und werde zum Ort hinter dem zweiten Horizont reisen. Weil ich die regenbogenfarben leuchtende, großartige Torheit zu hohem Preis für das ganze Leben schon gekauft habe, ist nichts mehr zu bedenken. Mi Wa habe ich bei Meile 21 auf dem Weg nach Pyin Oo Lwin erstmals getroffen.

Blüht der Padauk am Strand von Maungmakan? Die überlange Nacht ist in Stücke zerbrochen. Es ist, als ob mich das laute Schimpfen der Geckos an etwas erinnert. Die Blätter fallen ab. Die Luft verrottet im ganzen in sich abgeschlossenen Ort. Ich weiß nicht, woher das Licht kommt, das immer wieder aufleuchtet. Aber es ist sehr schwach. Der Geruch der Unzufriedenheit hält das bezuglose Kopfkissen umfangen. Die Ziffern auf dem weißen Blatt sind größer
als nötig. Begebenheiten, die man wohl nie vergessen kann, bewegen sich. Was geschieht mit wem? Die Früchte von den höchsten Zweigen mögen die süßesten sein. Eine aus Elfenbein geschnitzte Vogelfigur verlässt den Gefährten und bemüht sich, ein Lied zu trällern. Da singt im smaragdgrünen Bambushain der hauslose Vogel nicht mehr.

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