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Geschichte des Reisens

Reisekoffer © by rimglow - Fotolia.com
Der Koffer - schon immer ein wichtiges Reiseutensil; Reisekoffer © by rimglow - Fotolia.com

Das Thema „Reisen“ ist so vielschichtig wie die Menschen, die eine Reise unternehmen. So gibt es viele verschiedene Ansichten, was eine Reise überhaupt ist: Den einen kann sie zum Beispiel in einen All-inclusive-Ferienclub führen, während andere es niemals wagen würden, einen solchen Aufenthalt überhaupt als Reise zu bezeichnen. Viele gehen auf Reisen, um sich selbst besser kennenzulernen, fremde Kulturen zu entdecken oder die Welt zu erobern, während die meisten einfach nur entspannen und abschalten möchten. Manche setzen den Begriff Reise mit Urlaub gleich – für viele sind das jedoch zwei vollkommen verschiedene Arten, ihre Zeit zu verbringen. Doch egal, was jeder Einzelne unter einer Reise versteht, etwas bleibt – um es mit den Worten des Philosophen Ernst Bloch auszudrücken – stets gleich: Jede Reise muss freiwillig sein, um zu vergnügen.

Dabei begab man sich seit Menschengedenken auf Reisen – daran hat sich bis heute nichts geändert: Ob mit dem Wagen, der Bahn, per Flugzeug oder Fähre, in der Kutsche, am Pferd oder per pedes – man reist(e). So hat sich im Laufe der Zeit natürlich einiges geändert, vor allem, was den Komfort und die Geschwindigkeit  beim Verreisen betrifft. Auch die Gründe für das Reisen sind heute anders: Früher ging man in erster Linie mit religiösen oder wirtschaftlichen Absichten auf Reisen, heute handelt es sich dabei häufig um die viel zitierte schönste Zeit im Jahr: Raus aus dem Alltag, Neues erleben oder Ruhe finden – das sind die Schlagworte, mit denen die Reiseagenturen vielerorts werben.

Reisen im Mittelalter

Im Mittelalter gab es natürlich noch keine Reisebüros, die einem das beste Angebot vermitteln und einem die Organisation weitestgehend abnehmen konnten.  Schließlich ging es auch nicht darum, eine möglichst angenehme Zeit zu verbringen – die meisten Reisen waren wirtschaftlich oder religiös motiviert, häufig sehr anstrengend und mit großen Mühen verbunden. So verreisten im Mittelalter in erster Linie Kaufmänner, Soldaten oder Pilgerleute. Frauen begaben sich meist erst gar nicht auf eine Reise – bis auf einige Damen adeligen Geschlechts.

Das größte Hindernis bei einer Reise war damals die Natur: Man musste stets auf der Hut sein, um die Orientierung zu bewahren. Unbekannte Gegenden, keine Wegweiser und schlechte Landstraßen konnten Reisenden unter Umständen das Leben kosten. So versuchte man, auf den Hauptverkehrswegen – in Deutschland zum Beispiel auf dem sogenannten „via regis“ (Königsweg) – zu bleiben. Auch dabei handelt es sich meist nur um unwegsame Gebiete bzw. Feldstraßen, in denen man bei Regen oder Schneefall in Schlamm, Pfützen und Matsch versank. Doch dem nicht genug: Auch vor einem Überfall durch Räuber und Banden war man nie sicher, ebenso konnten Wildschweine oder Bären zu einem lebensbedrohlichen Problem auf Reisen werden. So wundert es nicht, dass viele vor Antritt einer Reise ihr Testament aufsetzten.

Entsprechend groß war jeweils die Erleichterung, wenn man bei einer Herberge oder einer anderen Unterkunft eintraf, um sich zu stärken und zu übernachten. Übrigens war die Gastfreundschaft damals viel ausgeprägter als heute: Fremde wurden gerne aufgenommen und verköstigt. Das Wissen, wo es gute Wege und angenehme Unterkünfte gab, bezeichneten Kaufleute damals als die Kenntnis über „Weg und Steg“ – für eine erfolgreiche Reise war dies unverzichtbar.

Abgesehen vom Fortkommen und der Unterkunft sowie den Gründen für eine Reise hat sich auch in Bezug auf die Dauer des Verreisens einiges geändert: So nahmen Reisen im Mittelalter viel mehr Zeit in Anspruch als heute. War man zu Fuß unterwegs, konnten maximal 30 bis 40 Kilometer täglich zurückgelegt werden. Auch mit Pferden war man nicht viel schneller – schließlich durfte man diese auch nicht überbelasten. Noch weniger Kilometer schaffte man mit dem Ochsenkarren, dem beliebtesten Transportmittel für Kaufleute: Gerade einmal 15 bis 16 Kilometer am Tag konnte man damit seine Waren weitertransportieren.

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