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Indochina - Laos, Kambodscha und Vietnam

Reisfelder © Dung Le Tien-pixabay.com
Reisterrassen in Vietnam © Dung Le Tien-pixabay.com

Warum nach Indochina reisen?

Die Vietnamesen pflanzen den Reis.
Die Kambodschaner ernten den Reis.
Und die Laoten hören den Reis wachsen.

(altes Sprichwort in Indochina)

Um das Beruhigende einer Indochina-Reise vorwegzunehmen:
- Das Reisen nach Indochina ist – einmal vom Straßenverkehr abgesehen – ungefährlich.
- Frauen können problemlos allein reisen.
- Die Menschen sind höflich und zuvorkommend.
- Das Leben ist preiswert, um nicht zu sagen billig. Der Reisende bekommt etwas für sein Geld.
- Abgesehen von sprachlichen Schwierigkeiten ist das Reisen heute relativ einfach und bequem möglich. Mit Verspätungen und Ausfällen bei Beförderungen muss man allerdings rechnen.
- Das Klima ist – ausgenommen vom Gebirge gegen China – meist angenehm mild. Allerdings sollte man die Regenzeit in den Monaten Juni bis September meiden und im Süden die heißeste Zeit im April, es sei denn, man gehe ans Meer.

Und um Sie mit dem Aufregenden zu locken:
- Leben und Kultur in Indochina sind so verschieden und vielfältig, dass es immer und überall selbst dann etwas zu entdecken gibt, wenn man nicht gerade ein ausgesprochener Captain Cook oder Marco Polo ist.
- Indochina befindet sich im Aufbruch. Ein Erwachen, das man miterlebt haben sollte, wie z. B. den Fall der Mauer in Deutschland.

Und weshalb zuerst nach Vietnam?
Von den drei Ländern, Vietnam, Kambodscha und Laos, die man der Region Indochina zuordnet, ist Vietnam das vielfältigste und das interessanteste zu bereisen. Während Laos gemütlich und noch etwas verschlafen wirkt, Kambodscha durch das Pol Pot-Regime an Kultur und gesellschaftlicher Tradition viel gelitten hat, ist Vietnam ein aufregendes Entwicklungsland voller Spannung zwischen Rückständigem und Neuem auf der Schwelle zur Moderne. Der Reisende trifft schon bei seiner Ankunft auf unglaubliche Gegensätze, die sich überall und während seines ganzen Aufenthaltes fortsetzen. Er begegnet Kulis, in Lumpen gekleidet, die ihre überladenen Schubkarren durch Hanoi und Saigon stoßen, und gleich daneben Bentleys und Mercedes AMG; Familien, die im Dschungel an einem Wasserfall Cityblaster-verstärkt Karaoke singen; Gänsen und Hühnern, die gackernd vor einer Bank die Kunden begrüßen; man durchstreift Streetfood- Quartiere, die in ihr Duftkaleidoskop einlullen; entdeckt feiernde Hochzeitsgesellschaften, die ihr offenes Zelt mitten auf einer belebten Strasse aufgestellt haben, Bier und Schnaps trinken und sich nicht um den überbordenden Verkehr, der sich hupend herumdrängt, kümmern. 120 121 Vietnam ist chaotisch und doch wieder diszipliniert. Früh am Morgen beginnt vor allem im Norden das Tagwerk, und mit den Hühnern gehen die meisten Vietnamesen in die Federn. Die Vietnamesen sind äußerst fleißig, schnell, beweglich und aktiv. Deshalb entwickelt sich dieses Land auch so rasant. Trotzdem genießen Sie, als Besucher, in den Städten ein buntes Nachtleben.

Vietnam Streetfood © Thomas Gerlach-pixabay.com
Streetfood in Vietnam © Thomas Gerlach-pixabay.com

Als Reiseland bietet Vietnam viel für jeden Geschmack. Kulinarisch treten Sie in eine fremde lukullische Welt ein. In den Städten kann man mit studentischen Motorradreiseführern Gaumenkitzeltouren unternehmen und exotische Köstlichkeiten naschen. Überall werden auch Kochkurse für die vietnamesische Küche angeboten. Es finden sich unzählige Essmärkte, Gourmetstempel und selbst die Streetfood-Restaurants bieten hervorragende Essensgenüsse an. Fingerfood überall. Wer Bergtouren unternehmen möchte, besucht die Gegenden von Sapa mit seinen wunderbaren Reisterrassen und Dien Bien Phu, wo die Franzosen ihre entscheidende Schlacht verloren haben, und besteigt zum Beispiel den Phan Xi Pang. Sie finden viele wilde Naturparks, etwa den Park Ninh Binh, Gebiete mit riesigen, teils noch unerforschten Höhlen, Gegenden mit zuckerhutartigen Bergen, die an Rio erinnern, wie beispielsweise bei Chua Huong. Da ist die einzigartige Inselwelt um Ha Long und Cat Ba, die alte Kaiserstadt Hue mit der Zitadelle, die wunderschöne Lampionstadt Hoi An. Man entdeckt unzählige Tempelanlagen verstreut über das gesamte Land, die Inselwelt vor Nha Trang und den Garten Eden des Mekongdeltas mit den „floating markets“. Wer genug Sehenswürdigkeiten besucht hat, der gönnt sich Ruhe auf den tropischen Inseln mit weißen Stränden und einer wunderbaren Unterwasserwelt voller Korallen und Fischen in Phu Quoc und Con Dau. Für die geschichtlich Interessierten bieten sich die historischen Museen, die Kriegsmuseen sowie die Höhlen von Cu Chi an. Und, derjenige, der das Land tiefer kennenlernen will, trifft sich mit Einheimischen im Homestay in einem der Naturparks oder auf einer Insel im Mekongdelta, umgeben von Wasser und Fruchtbaumhainen, oder am Strand mit Fischern in Phu Quoc.

Der Tourist bewegt sich in Vietnam frei. Er wird kaum jemals von der Polizei kontrolliert, welche übriges so selten wie die Armee sichtbar in Erscheinung tritt. Er kann im Rahmen der Legalität tun und lassen, was er will. Die Vietnamesen sind frei im Umgang mit Touristen, man bekommt nie das Gefühl, dass ihnen ein Maulkorb umgehängt ist. Sie lachen viel und zeigen gerne Selbstironie. Sie sind offen in persönlichen Dingen, reden frei über Welt und Politik. Das Internet scheint nicht zensuriert zu sein. Wikipedia und die internationale Presse sind frei zugänglich. Die Haupteinschränkung in der Kommunikation liegt höchstens in den begrenzten Englischkenntnissen vieler Einheimischer.

Dorf Laos © dezalb-pixabay.com
Wohnhäuser in einem Dorf in Laos © dezalb-pixabay.com

Die meisten Vietnamesen denken traditionell. Familie und Sippe spielen eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Diese haben noch einen höheren Stellenwert als ihr Beruf. Für fast alle stellen die Heirat sowie die Gründung einer Familie den eigentlichen Lebenssinn dar, wenn sich dies auch mehr und mehr ändert. Gebildete Frauen sträuben sich heute häufig dagegen, zu heiraten und ihre gesellschaftliche Position zulasten einer Familie aufzugeben. 122 123 Schwule und Lesben sind mittlerweile toleriert. In der Stadt haben sie kein Problem, sich zu outen, doch Mami und Papi dürfen oft nichts davon erfahren.

Vietnam ist auf dem Weg zum Tigerstaat. Die Entwicklung schreitet rasant voran. Die Wachstumsraten des Bruttosozialprodukts sind heute höher als in China und in der Türkei und verlässlicher als Letztere. Vor 25 Jahren, nach dem Vietnamkrieg, war die Bevölkerung noch sehr arm. Heute spürt jeder, dass seine Kaufkraft zunimmt und jeder glaubt (noch) an den Fortschritt, selbst die Zukurzgekommenen. Die Gesellschaft ist deshalb gegenüber der Regierung, einem Einparteiensystem, relativ unkritisch eingestellt, wenn auch Missstände, wie Korruption, teils öffentlich, teils auch von der Regierung selbst kritisiert und bekämpft und Antikorruptionsgesetze erlassen werden.

Vietnam befindet sich im Aufbruch, noch ist viel Traditionelles erkennbar. Besuchen Sie dieses Land, solange seine Ursprünglichkeit noch einigermassen gewahrt ist.

Warum nach Laos und Kambodscha?
Wenn Sie nach diesen Erlebnissen entschleunigen wollen, bietet sich, wie schon das eingangs erwähnte Sprichwort sagt, Laos und dort insbesondere die alte Königsstadt Luang Prabang als Ort der Gemütlichkeit an, wo das Leben so gemächlich dahinzieht wie der Mekong und sein Nebenfluss, welche die Stadt umschlingen. Haben Sie noch nicht genug an vietnamesischen Stränden gechillt, so fahren Sie mit dem Motorradtaxi oder dem Schiff vom Mekongdelta über die Grenze nach Kambodscha und besuchen die Strände von Cheb und Kampot oder die Insel Koh Rong bei Sihanoukville.

Eine Perle, die Sie gesehen haben müssen, ist Angkor Wat, mit dem Flugzeug von Saigon in knapp einer Stunde erreichbar. Genießen Sie zur Krönung Ihrer Indochinareise den Sonnenaufgang über den Dschungeltempeln, der größten Tempelanlage der Welt. Viel Spaß und Vergnügen!

(Jürg Kugler)

Angkor Angkor Wat © James Wheeler-pixabay.com
Die Natur hat ihre Krallen ausgestreckt und die Ruinen von Angkor Wat fest umschlossen Angkor Wat © James Wheeler-pixabay.com

Gewusst? In Vietnam gibt es ungefähr 1,6 Millionen Autos, aber das Motorrad ist das beliebteste Transportmittel: Geschätzte 45 Millionen rasen durch das Land. Laos hingegen ist das im Verhältnis zur Einwohnerzahl am stärksten bombardierte Land der Welt: Im Laufe von neun Jahren in den 1960er- und 70er-Jahren warfen die US-Streitkräfte bei 580.000 Einsätzen insgesamt 270 Millionen Streubomben über Laos ab, 30 Prozent davon waren Blindgänger. Die Flagge von Kambodscha ist die einzige weltweit, die ein Gebäude abbildet: natürlich Angkor Wat.