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Whalewatching; pixabay

80 Zahn- und Barten-Walarten tummel(te)n sich in den Meeren; darunter Stars wie Orcas/Killerwale (Free Willy), weiße Belugas und Delfine (Flipper) sowie Exoten, wie der als See-Einhorn mystifizierte Narwal mit seinem markant nach vorne gerichteten Spieß-Zahn. Ferner Grönland-, Schwert-, Buckel-, Mink-, Pott- und Finnwale; schließlich Blauwale, die Säugetiere der Superlative: lang wie eine Boeing 737 (30 m), schwer wie 25 Elefanten, das Herz größer als ein Kleinwagen, die Hauptschlagader dick wie eine Wasserrutsche und das Maul voluminös wie ein 30-Personen-Aufzug.



Schläge mit der 5 m breiten Schwanzflosse bringen sie mit 500 PS in Tiefen bis zu 600 m. Bis zu einer Stunde können sie unter Wasser bleiben. Ohne Geruchssinn und mit nur schwachen Augen verständigen sie sich – vor allem zur Paarungszeit – durch trompetenartige Gesänge mit ihren ausgezeichneten (inneren) Ohren.

Wale wandern – bei Gefahr mit 50 km/h – jedes Frühjahr bis zu 8.000 km weit in kalte Gewässer, denn eine 50 cm dicke Speckschicht hält ihre Körpertemperatur konstant bei 37°C . Die dicke Haut wurde ihnen zum Verhängnis, denn der gekochte Blubber war jahrhundertelang wichtige Fett-Ressource – nicht nur für Ölfunzeln und Lebertran.

Mesonychids, der Urwal, war vor 60 Mio Jahren ein Vierfüßer mit Hufen und Fell, genetisch verwandt mit Rind und Nilpferd. Nahrungsmangel trieb ihn vom Land ins Wasser, wo er sich fortan von Plankton und Krill ernährte. Um seinen Hunger (1,5 Mio Kalorien/ Tag) zu stillen, zieht ein Blauwal täglich 4 t dieser streichholzlangen Minikrebse durch seine 600 Barten (Baleen), bis zu 4 m lange elastische Lamellen aus 25 cm breitem Horn. Kaum war deren Wert für Droschkenfedern, Angelruten und Korsettstangen erkannt, begann die gnadenlose Jagd erst recht, denn Baleen ließ sich problemlos schneiden, schleifen, drechseln und so auch zu Ziergegenständen (Kämme, Knöpfe, Tabakdosen) verarbeiten. Erst Plastik (Bakelit) stoppte den Baleen-Boom.

Unter Scrimshaw verstand man auf Pottwal- und Walroßzähnen eingeritzte Zeichnungen. Im weiteren Sinn ist Scrimshaw jedes bildliche Motiv aus Fischerei und Seefahrt, auch auf Kacheln, Gläsern und Pokalen. Oft finden sich Darstellungen, die den Walfisch sagenumwoben verklären: als Seeungeheuer, Gewitter-Bringer, Schöpfungeswunder, als Moby Dick oder – unter biblischem Bezug – auf »Jonas im Wal«.



Kabeljau und Wale hatten Fischern aus Europa den Weg in die Neue Welt gewiesen: allen voran den Basken, die schon 1565 in Red Bay/Südlabrador Stützpunkte errichtet und Walverarbeitung betrieben hatten; von ihnen übernahmen die Amerikaner die Bezeichnungen der Jagdgeräte, Fangtechniken und das Trankochen.

Der Walfang war von Anfang an so lukrativ, dass der Mensch die tollkühne Jagd mit Handharpunen aus Ruderbooten wagte. Mit der Parole Vis vinctur arte (etwa: »Mit List und Geschicklichkeit besiegen wir die tierische Urgewalt «), machte man sich Mut. War der Wal gehetzt, harpuniert und angeseilt, gab man ihm aus 5-10 m Entfernung den tödlichen Lanzenstoß ins Herz. Über 300 Jahre lang war das ein fairer Kampf: Tod oder Leben für Mensch oder Tier. Erst der Einsatz von Harpunier-Kanonen Ende des 19. Jahrhunderts ließ dem Wal kaum noch Chancen: Zwischen 1920 und 1940 erlegten Walfangflotten aus Norwegen, England, Japan, Panama, Südafrika, den USA, der UdSSR – bis 1939 auch Deutschland – 30.000 bis 50.000 Tiere pro Saison. Dauerte früher das »Flensen«, das Abspecken des längsschiffs vertäuten Wales, einen Tag, brauchte man jetzt nur noch eine Stunde, um ihn an Bord des Mutterschiffs, einer schwimmenden Fischfabrik, restlos zu verarbeiten.
Erste internationale Fangrestriktionen wurden 1937 in London vereinbart. Man legte die Abschussquote auf 16.000 Blauwaleinheiten fest (1 Blauwaleinheit = 2 Finnwale = 2,5 Buckelwale usw.). Trotz ständiger Quotenreduzierung (z.B. 1967: 3200 Einheiten) sind Buckel- und Grönlandwale heute fast ausgerottet und Blauwale bis auf 500 Tiere abgeschlachtet. Zwei neue Abkommen (1973 CITES und 1985 IWC) haben den kommerziellen Walfang verboten. Trotzdem besteht Norwegen auf Ausnahmeregelungen, um Minkwale für sog. “wissenschaftliche Zwecke” fangen zu dürfen.

An Neuenglands Küsten sind Bar Harbor und Cape Cod (ab Provincetown) die besten Ausgangsorte fürs Whale Watching, in Kanada Nova Scotia (Digby Neck und Cape Breton); in Québec sieht man am St. Lawrence (Tadoussac) Belugas und Blauwale (Mai–Oktober) und vor Neufundlands Küsten (Notre Dame-, Trinity-, Witless-Bay) Buckel-, Finn- und Minkwale (nur Mitte Juni- Anfang August).