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Polizei auf Mallorca


Drei Sorten Polizei

In Spanien gibt es zur Überraschung vieler Ausländer neben der policia municipal/local noch die guardia civil und die policia nacional. Überschneidung von Zuständigkeiten, Kompetenzgerangel und Verzögerungen bleiben da nicht aus.

Die schwarz uniformierte policia local übernimmt vorzugsweise Ordnungsfunktion; sie regelt den Verkehr, bittet Verkehrssünder zur Kasse und tritt bei Einbrüchen und Diebstählen in Aktion. Auch bei Streit, Körperverletzung und Nötigung schreitet die policia local ein. Wenn dabei indessen ein Messer ins Spiel kommt, ist die grün gekleidete guardia civil zuständig, die Regelungsfunktion besitzt, was sich daran zeigt, dass sie bei Delikten wie Raub oder Vergewaltigung die Täter bzw. Verdächtigen verhaftet. Wird das Opfer verfolgt oder bedroht und fürchtet um sein Leben, ist die blau gekleidete policia nacional für die Aufklärung zuständig.



Zuständigkeiten

Auf dem Drogensektor darf die policia local Funde sicherstellen, aber nur die guardia civil diese beschlagnahmen. Die Abteilung zur Bekämpfung des organisierten Drogenhandels und Verbrechens der policia nacional übernimmt danach die Ermittlungen. Abwehr und Aufklärung von Verbrechen, Verschwörungen und Attentate fallen ebenfalls in den Kompetenzbereich der policia nacional. So spürt sie Verdächtige auf, die mit internationalem Haftbefehl gesucht werden und schützt den König, wenn er und seine Familienmitglieder Mallorca besuchen. Bei Terrorismus übernimmt dann wieder die guardia civil, die sich gerade mit Poloshirts und einer Art Baseballkappe einen tatsächlich »zivilen« Look zugelegt hat.

Kooperation

Es liegt auf der Hand, dass alle drei Polizeisektionen ständig überprüfen müssen, ob ein Fall in ihre oder eine andere Kompetenz gehört. Wenn sich die policia local nicht sicher ist, ruft sie die guardia civil usw. Bei Verkehrs- und Alkoholkontrollen wirken policia local und guardia civil zusammen, weil es ja z.B. sein könnte, dass ein betrunkener Fahrer ein gesuchter Dealer ist. In Zweifelsfällen tritt die policia nacional gleich als höchste Instanz an, wie z.B. bei Razzien an der Playa de Palma. Wenn ihr Randalierer, Diebe, illegale, Betrüger, Drogendealer und andere Kriminelle ins Netz gehen, werden sie gleich vor Ort »sortiert« und verteilt.

Umgang mit der Polizei

Generell ist Vorsicht geboten in direkter Konfrontation mit spanischer Polizei. Zwar sind die Zeiten vorbei, zu denen die Guardias Civiles als unanfechtbare Autoritäten in ihren Operettenhütchen Angst und Schrecken verbreiteten, doch bis heute ist man auch (und gerade?) als Ausländer vor – so scheint es – willkürlichen Übergriffen der uniformierten Staatsmacht nicht immer sicher.

Man tut also gut daran, spanischen Polizisten mit höflicher Korrektheit zu begegnen und Diskussionen wie Besserwisserei lieber zu vermeiden. Andererseits sollten sie auch nicht zu viel an ordnungsstiftender oder moralischer Unterstützung durch die mallorquinische Polizei erwarten. Wenn ihnen z.B. die Autoreifen zerstochen werden, dürfen sie nicht darauf vertrauen, dass die zuständige policia local sich gerne dieser »Bagatelle« annehmen wird.

Anders als zu Zeiten der Franco-Diktatur können sie heute jedoch, wenn sie sich unkorrekt oder sogar brutal behandelt fühlen, den Rechtsweg beschreiten, um die eigene angekratzte Ehre wiederherzustellen. Das aber kann dauern, siehe unten.



Verkehrsstrafen bezahlen

Wenn die mallorquinische Polizei in einer Sache schnell ist, dann beim Austeilen von multas, Strafmandaten oder Parktickets. In der Kurzparkzone im Zentrum von Palma, kostet der Spaß leicht €60, in den verkehrsreichen sog. VAP-Zonen (mit blauen schildern gekennzeichnet) darf man dann auch schon mal €180 abdrücken. Wenn der Wagen abgeschleppt wurde, fallen weitere €70 für das hilfreiche Transportunternehmen an.

Seit 2010 gilt in Spanien ein neuer Bußgeldkatalog. Viele Strafen für ganz gewöhnliche Verkehrsvergehen wurden verdreifacht, was zwar schon zu Protesten geführt, aber letztendlich nichts geholfen hat. Darüber hinaus gibt es mehr Radarfallen und auch mehr Polizeikontrollen, um dem Fahren unter Alkoholeinfluss entgegenzuwirken. Auch die Gebühren für falsches Parken wurden erhöht. Und Telefonieren am Steuer ohne Freisprechanlage kostet jetzt €200 – ebenso Fahren ohne Gurt. Insgesamt sind Verkehrsverstöße in Spanien also wesentlich teurer als in Deutschland.

Rabatte auf Strafmandate

Wie einfallsreich die Behörden sind, wenn es darum geht, möglichst rasch ans Geld zu kommen, zeigt das folgende intelligente Rabattsystem: Am preiswertesten ist es, ein Knöllchen in der Kurzparkzone noch an Ort und Stelle zu »annullieren«. Das geht folgendermaßen: Sie drücken am Parkautomaten den gelben Knopf, werfen 9€ oder 15€ in Münzen ein und drücken den grünen Knopf. Der Apparat druckt dann ein sogenanntes ticket de anulación aus. Das stecken Sie zusammen mit dem Strafzettel in den kleinen Briefkasten auf dem Automaten, und der kleine Verstoß ist erledigt. Das Ganze funktioniert allerdings nur, wenn die Parkzeit nicht mehr als eine Stunde überschritten wurde.

Sollte letzteres der Fall sein, suchen sie sich einen Polizisten in der Nähe, zeigen ihm Parkschein und Strafzettel und zahlen bei ihm. Sie erhalten dann einen Rabatt von immerhin auch noch 60%. Eine dritte Möglichkeit ist es, innerhalb von zehn Tagen nach Ausstellung des Strafzettels bei einer der Banken, die auf der Rückseite des Scheins genannt sind, die entsprechende Einzahlung zu leisten. Dafür gibt es immerhin auch noch 40% Nachlass. Man kann mit einer Tarjeta de ORA sogar bargeldlos zahlen; sie ist erhältlich bei allen Parkkontrolleuren. Neuerdings geht ́s sogar übers Internet auf https://sede.dgt.gob.es/es/tramites-y-multas/alguna-multa/pago-de-multas/

Bei Zahlung per Kreditkarte darf man sich noch über 30% Rabatt freuen.

Wenn Fahrzeugeigner mit spanischer Zulassung nicht zahlen, unternimmt der Staat zunächst nichts. Die Geldstrafe wird einfach dem Fahrzeug belastet. Bei der nächsten Transaktion (Verkauf, Ummeldung, etc.) ist dann die Summe aller aufgelaufenen Strafzettel fällig. Der Staat spart so die »Eintreibbürokratie«.

Anders als in bei uns existiert in Spanien keine zentrale Verkehrssünderkartei, in der bestimmte Verstöße mit Punkten registriert werden. Auch sind Einnahmen aus Bußgeldern nicht in den Finanzhaushalten der Städte budgetiert.

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